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Kürzlich wurden die Ergebnisse einer Studie herausgebracht: Danach denken Frauen am Tag häufiger an Essen als zum Beispiel an Sex. Also sie denken sozusagen VOR allem anderen an Essen. Äh ja. Ich habe mich irgendwie ertappt gefühlt. Das war, als ob ich des Nachts den Kühlschrank plündere und auf einmal der Beau das Licht anmacht und mich mit schokoverschmiertem Mund rehgleich davor entdeckt. Genauso eine Gefühlskaskade erlebte ich: Auf der einen Seite: Erleichterung. Endlich ist es raus. Auf der anderen Seite: Auweia. Jetzt ist es amtlich. Aber andererseits: Siehste, ich wusste schon immer, dass ich nichts dafür kann.
Essen ist elementar. Essen ist wunderbar.
Ich konnte noch nie ganz verleugnen, dass ich gerne esse. Meine Oma vergaß früher sogar, selbst zu essen, solchen Spaß hat es ihr gemacht, mir beim Genießen zuzuschauen. Und heute darf ich mich mit einem Spitznamen herumschlagen: Raupe. Ich kann einfach nicht anders als die leckeren Naschis, die sich mir in den Weg stellen, der Vernichtung anheim zu führen.
Selbst, als ich noch in der recht langen Ich-darf-auf-keinen-Fall-ein-Gramm-Fett-an-meinem-Körper-entdecken-Phase war, drehten sich meine Gedanken um Essen. Bei meinen 16 Uhr-Tagen malte ich mir mein zufrieden stellendes 16 Uhr-Mahl schon morgens in leuchtenden Farben aus. Und war das Schmausen vorbei und das Glücksgefühl verschwand langsam, machte ich mir schon mal vorbeugend Gedanken, was ich mir am nächsten Tag so alles kredenzen könnte – kalorienbewusst selbstverständlich. Neulich habe ich eine Frau getroffen, die erzählte, dass sie abends nur noch eine Banane gegessen hätte und dann ach wie satt gewesen sei. Äh, nein, das kommt bei mir nicht mehr vor. Gut, sie sah auch so aus, als ob ihr Leben sich darum drehe, wie sie dem Essen möglichst aus dem Weg gehen kann. Diese Phase hatte ich auch mal – pure Selbstverleugnung.
Diese Phase dauerte, bis der Beau in mein Leben trat und ich, die ich eigentlich gerne koche, aber dem Abwaschen gegenüber negative Gefühle hege, eine Spülmaschine bekam. Und da Liebe ja bekanntlich durch den Magen geht, drücke ich jeden Tag meine Zuneigung aus.
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Die WordPress.com Statistikelfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2011 an.
Hier ist eine Zusammenfassung:
Eine Cable Car in San Francisco faßt 60 Personen. Dieses Blog wurde in 2011 etwa 1.100 mal besucht. Eine Cable Car würde etwa 18 Fahrten benötigen um alle Besucher dieses Blogs zu transportieren.
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Frau lernt ja nie aus. Es gibt einen weiteren interessanten Unterschied zwischen Männern und Frauen: Ihr Tankverhalten. Als ich meinen Beau kennen lernte, erfuhr ich folgendes wichtiges Lebensmotto: Man kann locker noch mindestens 70 Kilometer fahren, wenn die Tankanzeige alarmierend rot aufleuchtet. Also das mit dem „Locker“ geht mir komplett ab. Ich bekomme schon feuchte Hände, wenn meine Tankanzeige nur noch einen viertelvoll gefüllten Tank vermeldet. Ab da warte ich sehnsüchtig und die Tankanzeige stets im Augenwinkel auf die günstigeren Tanktage Sonntag/Montag und Mittwochabend/Donnerstag. Diese Tage sind dem Mann auch unbekannt. Oder sagen wir, sie interessieren mehr so zweitrangig. Er glaubt eher an die große Verschwörung: Wenn er tanken geht, fällt der Preis unmittelbar danach sowieso nochmal komplett um mindestens zehn Cent. Das ist so sicher wie das Brummen des Motors. Frau durchsteht die Fahrt mit dem so geeichten Mann in folgenden Phasen:
- „Bei dir piepts wohl.“ (Wenn das Computersystem des Autos per Pling! den dramatischen Tankzustand vermeldet – und ehrlich, da bin ich noch totaaaal entspannt und easy drauf und reiße eigentlich nur einen absolut coolen Witz…)
- Ich hänge leicht links im Sitz und habe den Kilometerstand fest im Blick.
- Ich lege die Stirn in Falten und fange an, unruhig im Sitz zu ruscheln.
- „Äh, noch 25 Kilometer. Haha. Hast Du gesehen, dass die nächste Raststätte mit Tankstelle in 27 Kilometern kommt? Ist ja witzig, was?“
- Ich male mir die Situation bildlich aus, wie wir mitten im Überholvorgang auf der Autobahn plötzlich stehen bleiben und kann die Bildung der grauen Härchen mitzählen.
- Ich fange an zu summen. „I´m walking, dummdidumm, and I´m talking, hmhmhmhmmmm.”
- Gleichstand: Noch 6 km Tankfüllung und noch 6 km bis zur Tanke. Wir haben aufgeholt. Der Mann scheint jetzt doch auch etwas unruhig zu werden.
- Ich bin ein komplettes Nervenbündel. Das ist fast so, wie wenn man beim Deutschland-Spiel der WM mit den Spielern nach vorne zum gegnerischen Tor rennt und nur noch Sekunden darüber entscheiden, ob wir aussteigen oder weiter kommen. Argh!
- Gleich! Gleich kann ich mich nicht mehr zusammenreißen und fange an, Schimpfkanonaden abzufeuern. Ich bin kurz vorm Platzen. Um Dampf abzulassen, hört der Beau „Oh Mann. Omannomann. Oh, man. Schatzi!“
- Mit 1 km Tankfüllung erreichen wir die Tankstelle. Ich haue (hoffentlich) einen blauen Fleck auf den Arm des Mannes. „Schatzi, Du kannst mir auch auf andere Art und Weise mitteilen, dass Dir das Leben mit mir zu langweilig ist! Oder dass Du eigentlich gar nicht willst, dass wir gemeinsam alt werden!“ Ich höre ein erleichtertes Kichern. „Also so knapp war es noch nie.“
- Habe weiche Knie und einen ununterbrochen plappernden Mund. Kann ich jetzt auch nix dafür. Muss er halt durch. So reagieren wir Frauen eben auf Stress.
Im Nachhinein kommen mir ähnliche Geschichten zu Ohren. Frauen, die ihre Männer unterwegs wüst beschimpfen (müssen!) und Männer, die – irgendwie – ihren Adrenalinspiegel in die Höhe treiben wollen. Da brauche ich nur an den Kollegen zu denken, der auf der linken Spur an der Ampel plötzlich stehen blieb. Die netten anderen Autofahrer, die ihm geholfen haben, von der Straße zu kommen, haben übrigens nie erfahren, warum sie helfen durften. Der Kollege meint – sicher nicht ganz zu Unrecht –, dass ihm dann möglicherweise keine Hilfe zuteil geworden wäre… oder ähnliches… .
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In den Straßen von Berlin, 20.00 Uhr. Wir treten gerade mit rauchenden Schädeln aus einem Haus auf die Straße. Aus der Dunkelheit schälen sich die Umrisse eines Passanten. Die mir vage bekannt vorkommen. Schlagartig habe ich tausend gute Erinnerungen: gemeinsame Schulstunden, gemeinsamer England-Urlaub, gemeinsame Freunde, ihr Lachen, das so gern gelacht werden wollte. Und ein paar weniger gute rinnerungen: Streitigkeiten um Badelatschen, um Lebensansichten, ums Erwachsenwerden. Tiefsitzende Enttäuschungen – um verlorene, um hintergangene Freundschaften. Und nun kommt sie mir entgegen. Mir bleibt nur die Zeit zur Entscheidung, ob ich reagiere oder eben nicht reagiere.
Optimistisch reagiere ich und bleibe stehen. „Hallo, U. Lange nicht mehr gesehen. Wie geht es dir?“ Notgedrungen verlangsamt mein Gegenüber seinen Schritt. Stehen bleibt sie aber nicht. „Oh. Hallo. Du hier. Wart Ihr gerade beim Tierarzt?“ Seitenblick auf meinen Beau. „Nein. Das ist mein Freund. Wir haben kein Tier. Schon lange nicht mehr. “ Bilderfetzen von Kakashi tauchen vor mir auf. Wie er schimpfend mit hoch erhobenem, puscheligem Schwanz an Us Bett vorbei Richtung Küche schreitet. Uns nachher vorwurfsvoll mit seinen bernsteingelben Augen anstarrt, weiter murrend, aber durchaus gewillt, uns das Ausgegrenzt werden zu verzeihen, wenn wir mit ihm kuscheln und mit ihm spielen. „Oh. Ich dachte, weil der hier gleich um die Ecke ist.“ „Nein, Kakashi ist schon lange tot.“ Müsste sie das nicht eigentlich noch wissen? „Wie geht es dir?“ Ich wiederhole meine Frage und weiß, dass sie eigentlich nichtssagend und nichtsfragend ist. Aber vielleicht ist sie ja doch der Beginn eines guten Gesprächs. Vielleicht aber auch nicht. U läuft bereits weiter. „Ja. Na, dann. Ich muss jetzt da lang.“ Sie deutet ins undefinierte Schwarze. Ich komme mir irgendwie dumm vor. „Ja, gut. Dann noch ´nen schönen Abend.“ Das „Vielleicht bis bald.“ kneif ich mir dann doch.
Wir laufen ebenfalls weiter. Mein Freund, mein neues Haustier, stellt fest: „Man, das war ja mal ´ne herzliche Begrüßung.“ Ich schüttele mich. „Meine Güte, war das peinlich.“ Und gruselig. Und unangenehm. Und ich hatte noch überlegt, ob ich sie anspreche. Aber ich hätte es unreif gefunden, es nicht zu tun. Wegen der gemeinsamen Vergangenheit. Doch das nächste Mal sollte ich vielleicht doch lieber so tun, als ob ich sie nicht sehe. „So etwas muss man sich nicht noch einmal antun, oder?“ „Frauen!“ Es kommt mit Inbrunst. Und hat er nicht Recht?
Nun ja, pünktlich zu Halloween habe auch ich eine Gruselgeschichte zu erzählen. Wer braucht ausgeschnitzte Kürbisse, wenn das Zwischenmenschliche einem doch schon Schauer über den Rücken jagen kann?!
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„Hat es sich denn wenigstens gelohnt?!“ Sie kreischte es in die Stille des dunklen, staubigen Verhandlungssaales, die unmittelbar auf die Verkündung des Urteils folgte. In die Stille vor der unweigerlichen Hektik, in die die Reporter ameisen-gleich ausbrechen würden. Wer könnte das Sensationsurteil schneller verbreiten? Hackett beobachtete. Sie waren wie eine wildhungrige Meute. Kurz hatte es unter ihnen gezuckt. Nun blieb es still. Sie warteten. Ob sich die Dramatik noch steigern ließe? Er würde keine Miene verziehen. Darauf hofften sie schon seit 40 Tagen.
Sie hatte es wohl auch gehofft. Auf irgendeine Vorlage von ihm.
Stoisch blickte er auf die tanzenden Staubflocken in dem einzigen Sonnenstrahl, der es wagte, in die heilige Halle einzudringen. Forsch flimmerten sie vor dem wutroten, zerfurchten Gesicht dieser Frau. 15 Jahre Freiheitsstrafe. Ob sie einmal schön war? Er konnte sich nicht erinnern. Er fand ihr himmelblaues Kleid mit den weißen Chrysanthemen darauf damals schön. Es wirkte unbeschwert, unschuldig und - ja, irgendwie liebenswert. 15 Jahre! Hätte er ihr doch damals ins Gesicht geschaut. Genauer hingesehen!
„Du elender Mistkerl! Sieh nur, was du mir angetan hast!“ Anklagend hob sie nun die blutroten, von Adern durchzogenen Krallen zum Gesicht. Was sollte schon mit ihrem Gesicht sein? Er hatte sie jedenfalls nicht angerührt. Wie denn auch. Ein Jahr Freiheit, 40 Tage Knast. Und davor 15 Jahre Hölle. Jeden Tag hatte er ge-hasst. Bis dieser Zug den Bahnsteig von Paddington und einen darin wartenden Güterzug erreichte. Es war wirklich eine prima Chance.
„Was hast du dir nur dabei gedacht?“ Die misstönende Sirene erhob sich wieder über die unruhig werdenden Zeugen. „Hast du auch nur eine Sekunde an mich gedacht?“ O ja. Er musste sich ein Lächeln verkneifen. Und wie er an sie gedacht hatte. Sie stöhnte. Ihre metallenen Armreifen schepperten dramatisch. Hatte es je einen Zeitpunkt gegeben, an dem sie nicht Theater spielte und ihn nicht wie einen unwürdigen Lakaien behandelte? Auch jetzt wusste er genau, was als nächstes kommen würde. Sie bereitete sich auf eine Ohnmacht vor.
Ein Hammer verlangte energisch Respekt. „Ich muss doch sehr bitten, Mrs Hackett. Aus den vergangenen Tagen wissen wir alle, wie sehr Sie das Verhalten Ihres Mannes kränkt. Aber nun haben Sie ja Ruhe vor ihm. Bitte lassen Sie das Gericht nun seines Amtes walten.“
Ob der Richter wusste, was ihm das Urteil bedeutete? Ob das irgendeiner von den Typen hier überhaupt verstand? 5 Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung. Irgendwie verdient. In seiner Panik hatte er die Sicherheitskräfte zu sehr von ihrer eigent-lichen Aufgabe abgehalten. Wirklich blöd von ihm. Er würde die Bewährungs-auflagen ganz sicher einhalten. Die und – sein Mundwinkel zuckte verräterisch – den Sicherheitsabstand zu seiner zukünftigen Ex-Frau. Das Lachen kollerte tief in ihm. Scheiß doch auf die Journalisten und diese Dickmadam! 37 Jahre war er alt und das Leben lag vor ihm, verheißungsvoll wie ein frisch gezapftes Bier.
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