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Mein Mann und ich haben niemals eine Zahnspange getragen. Weil unsere Zähne sich von Anfang an vorbildlich aufgestellt haben. Da wir damit scheinbar eine Minderheit sind, verbindet uns das in einem gewissen Stolz. Und was wir (nicht) hatten, wünschen wir uns natürlich auch (nicht) für unsere Kinder.

Leider sind Beruhigungssauger bei diesem Wunsch kontraproduktiv. Wiederholt weisen uns Zahnärzte bei Kontrolluntersuchungen darauf hin, dass Fehlstellungen im Gebiss durch den Gebrauch von Nuckeln bereits vorliegen. Drohen uns beeindruckbaren Eltern, dass diese Fehlstellungen sich auch nur bis zum 3. Lebensjahr von alleine zurückbilden könnten. Und wenn die Milchzähne danach ihre Fehlstellung hätten, würden sie diese wohl auch gleich quasi an die 2. Zähne vererben.

Wir müssen die Dinger also loswerden. Radikal, zielstrebig, ohne Kompromisse! Ach nee, wir sind ja jetzt Eltern – da können wir diese Denkweisen nicht mehr in die Realität umsetzen. Es braucht eine vorausschauende, langfristige Planung.

Phase 1:        Schnuller nur noch zum Schlafen

Phase 2:        Schnuller loswerden. – Hierzu gibt es mehrere Strategien.

Strategie 1: Schnullerbaum (Soll es zum Beispiel im Zoo von Eberswalde geben – bei einem angenehmen Erlebnis symbolisch die Schnuller anbinden. Wäre ein Notfallprogramm für den nächsten Sommer.)

Strategie 2: Schnuller peu á peu beschneiden (Fällt aus. Nicht dass da noch Stückchen abgehen und die Jungs die verschlucken.)

Strategie 3: Schnullerplatten, sog. Abgewöhnungsnuckel, kaufen. (Unverhältnismäßig teuer und nicht immer erfolgreich.)

Strategie 4: Meine Mutter hat mich meinen Dietzi selbst wegschmeißen lassen und mir bei zarter Nachfrage erklärt, dass ich ihn ja selbst weggeworfen hätte. (Gehört zum Notfallprogramm, wenn alle anderen Strategien versagen.)

Strategie 5: Nuckel beerdigen. (Nö. Beerdigung ist aufgrund seiner grundsätzlichen Bedeutung für mich nicht der richtige Weg.)

Strategie 6+7: Weihnachtsmann oder Osterhase bekommen die Dietzis überreicht. Dafür bekommen unsere Zwillis Geschenke für „große Jungs“, denn *erhobener Zeigefinger und wichtiges Kopfnicken* nur Babys brauchen Nuckel. Und ihre Nuckel bekommen dann andere Babys, die sie dringend brauchen. (Wir sehen, dass Weihnachten der rechnerisch richtige Zeitpunkt wäre, um es noch deutlich vor dem 3. Geburtstag zu schaffen. Es gibt auch Gegenstimmen, die meinen, dass der Weihnachtsmann dann immer der böse Mann sein wird, der die Dinger entführt hat. Dann haben wir vielleicht das Problem, dass der Weihnachtsmann im kommenden Jahr einen Tritt gegen das Schienbein erhält. Gäbe es denn trotzdem schon Freiwillige für 2016?)

Phase 1 war schon mit dem 2. Geburtstag umgesetzt: Tagsüber keine Schnuller, genannt „Dietzis“ mehr. Sie müssen sie morgens bei Mami abliefern und bekommen sie zum Schlafen wieder. Denn zum Schlafen brauchen WIR sie dringend. Bei unseren Früchtchen handelt es sich nämlich um intensive Nutzer des Dietzis. Sie können sich – zumindest bei mir, warum es bei Oma&Opa und in der Kita klappt, ist mir ein Rätsel – nicht ohne zum Mittag runterfahren und kriegen schlimmste Kreischanfälle. Nix für Mamis Nerven. Sie werden nachts wach, wenn sie ihn verloren haben und weinen bitterlich. Erst letzte Nacht werde ich von einem aufgeregten 2 1/2Jährigen aus dem Bett gezerrt und muss schlaftrunken einen Dietzi suchen. „Und du willst dem Weihnachtsmann die Dietzis mitgeben?“ nuschele ich danach meinem Mann an. Ich sehe das noch nicht. Ich finde die ständig unterbrochenen Nächte zurzeit auch so anstrengend. Was soll das werden, wenn sie keinen Beruhigungssauger mehr haben? Haben wir die Kraft dafür? Und das Durchhaltevermögen? Oder wird es womöglich ganz einfach – die Fläschchen hatte ich ihnen binnen einer Woche abgewöhnt. Wir müssen es versuchen. Und erzählen ihnen nun jeden Tag, was da Weihnachten auf sie zukommt: Tolle Geschenke für große Jungs, weil der Weihnachtsmann die Dietzis ja mitnimmt für kleine bedürftige Babys. Sie nicken auch schon ganz verständnisvoll und wollen das dann – für sie eines Tages in weiter Ferne – auch tun. Sagen sie. Aber die skeptische Mami sieht da trotzdem ein Drama auf sich zurollen. Denn ich wage zu bezweifeln, dass sie auch die Konsequenz daraus begreifen. Und ein bisschen trauere ich sicherlich auch, dass meine Babys dann wirklich keine mehr sind. Sie sehen doch so furchtbar niedlich aus mit den Dingern im Gesicht! Und dieses beruhigende Sauggeräusch, was sie machen, wenn ich nachts noch einmal nach ihnen schaue. Hach ja…

P.S. Hat jemand tolle Geschenkideen für „große“ Jungs, die über den zu erwartenden Trennungsschmerz hinweghelfen? Außer Tablets, TipToi (Startersets gibt’s erst ab 3 Jahren) und der schon vor neugierigen Kinderaugen versteckten Tafel zum Malen?

Zeitmanagement ist alles, denkt man sich als organisierte Frau von heute. Bis man einsehen muss – Kinder haben ganz eigene Vorstellungen. Und eindeutig kein Gefühl für Zeit.

Der Wecker klingelt und man hüpft voller Elan sofort aus dem Bett – es tut mir Leid, diese Werbefrauen haben definitiv kein Familienleben. Der Wecker klingelt und ja, ich bin wach. Habe aber noch nicht realisiert, dass das mein Wecker ist, der dieses störende Geräusch verursacht. Die letzten störenden Geräusche aus dem Kinderzimmer sind noch nicht lange her. Etappenschlafen war mal wieder angesagt. Finde es daher gerade jetzt äußerst gemütlich im Bett, drehe mich auf die Seite und weiß, dass der Wecker noch eine zweite Weckzeit eingestellt hat (kenne mich ja schließlich schon ein paar Tage). Denke darüber nach, was ich heute alles noch schaffen muss. Wäsche waschen. Einkaufen. Aufräumen. Bürokrams. Frage mich, ob ich die richtigen Sachen für mich und die Kinder herausgelegt habe. Nehme mein Handy und prüfe die Wettervorhersage. Warm, kein Regen, prima. Gut, dann muss ich mich wohl aufraffen. Nützt ja alles nix. Rolle mich aus dem Bett und schlurfe ins Bad. Gut, dass ich meine Sachen gestern schon bereit gelegt habe. Keine Zeit für Anproben, Aufhübschen oder ähnliches. Einfach sauber reinsteigen und raus aus dem Bad. Ab in die Küche, fertige Stullenpakete aus dem Kühlschrank holen (sorry, dass ich nicht um vier Uhr aufstehe, um für die ganze Familie die Essenpakete zu machen, damit sie auch ja schön frisch sind), in die Taschen stecken. Taschen schon mal ins Auto bringen (Erfahrung lehrte: kleine Engel können leicht zu tobenden Furien werden, wenn sie entgegen Mamis Intention ihre Rucksäcke vorzeitig entdecken und auspacken wollen…).

Ins Kinderzimmer gehen und Jalousie hochziehen. Kleine Engel liebevoll streicheln, solange sie noch kleine Engel sind. Zack, Kind Nr. 1 sitzt im Bett: „Kakao“. Ja, das Wort können sie schon. Mami holt einen Schluck Kakao. Kind Nr. 2 dreht sich nuckelnd um. Unwilliger Laut ertönt. Zum Glück ist Kind Nr. 2 kitzelig. Mit einem lachenden Kind den Tag zu starten ist deutlich angenehmer als mit einem unwilligen Zweijährigen… In anderen Versionen des Tagesstarts ist diesem Kind nämlich der kleine Widder deutlich anzumerken. Wir sind dann grundsätzlich dagegen und Mami schon nach dem Guten-Morgen-Küsschen schweißgebadet und bereit, die zweite vorbereitete Klamontur anzuziehen.

Heute ist das Kind lieb und kuschelig. Irgendwann hat auch die immer kuschelwillige Mami verstanden, dass das Kind nur deswegen kuschelig ist, weil es damit der Eincremeaktion vorbeugen will (Mami kann mich ja schließlich nicht eincremen, wenn ich an ihr klebe). Schlaues Kind. Schwanke zwischen Anerkennung und Unwillen.

Während das eine Kind auf der Wickelkommode an mir klebt, taucht der zweite Knabe mit nacktem Popo vor mir auf. „Rapsraps,braps. Mami.“ Adrenalin. Hoffe, das Jüngelchen sagt die Wahrheit auf meine Frage: „Hast du schon Pipi gemacht?“ „Ja.“ (In dieser Version des Tages stimmt die Aussage. In anderen Versionen nicht, wird aber in Kürze der Fall sein – und zwar in irgendeiner Ecke des Hauses, die ich dann, weil ich ja morgens keinen Zeitdruck habe, noch schnell wische. Ach ja, in einer weiteren Version dieses Tages ist es nicht nur Pipi…) Entscheidung: ich glaube dem Kind. Denn wenn ich jetzt das andere Kind ungewickelt herunterlasse, ist das nächste Malheur nahe.

Werde jetzt jedenfalls energischer und versuche, den Knaben vor mir fertig zu machen. Knabe vor mir hatte unlängst die Phase, sich nicht mehr hinlegen zu wollen. Habe jetzt ein Kopfkissen, was dankbar angenommen wird. Knabe vor mir will aber heute trotzdem nicht liegen. Will spielen. Buch angucken. Cremedosen öffnen. Puder verschütten. Knabe vor mir ist sehr kräftig und durchsetzungsfreudig. Unwillen bei Mami steigt.

In dieser Version des Tages bricht kein Krieg los. Knabe vor mir lenkt ein.

Endlich kann die kleine Kaffeebohne eingepackt werden. Auch dieses Kind ist kein Fan vom Eincremen. Hilferufe an Papi bleiben ungehört. Papi ist schon lange weg zur Arbeit. Dicke Krokodilstränen müssen getrocknet werden. Geht furchtbar gut mit „Täty“, einem Vitaminbonbon in Teddyform. Doof, wenn der nicht ausreicht und die nächste Weintirade losbricht. Papi, Täty, Papiiihii, Tääätiiihii. Dietzi!!! Dietziiiiiiiiii! Kreisch. Mami schwankt, ob sie den Schnuller für die Nacht wieder rausrücken soll. Wie stark fühle ich mich heute?

Pupsgeräusche auf dem Bauch lenken diese Heulboje gut ab und verwandeln sie in das verschmitzte Kerlchen, das ich kenne. Muss halt auch mal ausprobieren, was es durchsetzen kann.

Endlich sind beide Kinder angezogen – und das Chaos im Haus perfekt. Kisten mit Bausteinchen wurden ausgekippt, Autos von A über B und C nach Z bewegt (der Weg ist noch eindeutig sichtbar – es kommt halt nicht jedes Auto am Ziel an). Die Windelschublade geöffnet und untersucht. Ist doch auch schön, wenn sie nicht mehr so schmal sind, sondern raumfordernd und unförmig wieder in der Schublade landen (von der ganz leicht gestressten Mami schnell hineingeworfen).

Dann noch fix die ganze Wäsche in die Waschmaschine und auf in ein paar Stunden gestellt. Wieder raus aus der Waschkammer. Blick auf die Uhr. Uiuiui. „Schnell Schuhe anziehen, Jungs!“ Ein Kind riecht komisch.

Nach dem Windelwechsel drängt die Zeit noch mehr. Die Kita hat es nicht gerne, wenn Kinder zu spät zum Frühstück kommen und in die frisch hergestellte Ordnung reinplatzen. Kann ich nur zu gut verstehen.

„Jetzt aber ganz schnell Schuhe anziehen. Kommt mal schnell her.“ Ein Kind flüchtet auf den Rutscher und verzieht sich flugs. Das andere erwische ich gerade noch so. Sie sind unglaublich fix.

Das nächste Drama bahnt sich an – wir wollen jetzt nämlich mitbestimmen bei der Schuhwahl. Was unweigerlich zum nächsten Krieg führt, da Mami sich vorbehält, Geschmack und Recht zu haben. Ich finde, es muss farblich passen und den Temperaturen angemessen sein. Neuester Mami-Trick: Lass sie anziehen, was sie wollen – ich nehme die richtigen Schuhe mit und tausche sie nachher heimlich in der Kita aus…

Nachdem die Kinder nun endlich fertig sind, werden sie zur Tür hinausgejagt. Schnell, schnell zum Auto. Ich rase voran und öffne die Türen, damit sie nicht noch auf andere Ideen kommen. Z.B. auf die Straße rennen, ins Blumenbeet fallen, in den Garten zum Spielen flitzen, der flüchtenden „Kake“ (=Katze) hinterherjagen. Alles schon gehabt.

Ich wähne die Jungs hinter mir. Die allerdings sind noch einmal umgekehrt. Sie müssen dringend noch irgendwas aus dem Haus mitschleppen. Gerne Autos oder Tiere. Heute ein Buch. Mit Musik. Das muss aber sofort in der Beifahrerseite deponiert werden. Sie wissen, dass Mutti es nicht gerne hat, wenn sie versuchen, mit vollen Händen auf ihre Sitze zu klettern. Außerdem wird immer alles, was wir transportieren, in der Beifahrerseite gelagert. Wir haben verstanden. Wir sind wichtiger Teil des Ganzen.

Gut. Nun aber rein ins Auto. Die Sitzordnung wurde neu ausgelost äh erstritten. Kind Nr. 1 sitzt schon und kann angeschnallt werden. Kind Nr. 2 ist zwar im Auto, krabbelt aber dort herum. Gerade will es nach hinten in den Kofferraum klettern. Ich schimpfe und sage: „Jetzt setz Dich aber ganz schnell hin.“ Soll mal einer sagen, das hätte er nicht gemacht. Als ich auf seiner Seite ankomme, sitzt er in der Mitte des Autos (wo kein Kindersitz ist) und grinst mich verschmitzt an.

Auch das nur eine Frage der Zeit.

Fünf Minuten später sind wir vor der Kita angekommen. Auf der Straße vor der Kita wird gebaut. Eine Welle der Ahnung schwappt auf mich zu. Ich hieve Sohni 1 aus dem Auto, der natürlich sofort das Unübersehbare entdeckt. „Baggggggeeeeeeeerrrr!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“ Jubelt es laut durch die Straße. Warum Mami will, dass man ausgerechnet jetzt brav auf dem Bürgersteig stehen bleibt, erschließt sich dann nun wirklich nicht. Man kann ja schon mal bis zur Abzäunung schleichen. Sohni 2 ist ihm dicht auf den Fersen. Durch eine Lücke im Bauzaun schmulen sie. Sie würden durchpassen. Die Bauarbeiter locken. Die Rucksäcke, die Mami in der Hand hat, sind heute dermaßen uninteressant. Sie schieben und schubsen sich und Mami zieht an ihnen. Die Bauarbeiter feixen: „Ach Mann, Mama!!“ Eise die Kids per Ablenkung los und schiebe sie schnell durch das Kita-Tor. Mache Versprechungen, dass sie die Bagger nachher nochmal ansehen dürfen. Hoffe, dass ich das nicht vergesse… Im Garten der Kita sind schöne Spielgeräte. Ich bin nicht zufrieden mit meiner Figur, aber an manchen Tagen könnte ich nicht breit genug sein, um Sachen zu verdecken… Wir schaffen es mit kleinen Haken durch Tor Nr. 2. Heute sind scheinbar alle Kinder mit Rädern in die Kita gekommen. Alle Räder müssen einzeln mindestens einen Klapps auf den Sattel bekommen. Kaum haben wir diesen Protokollpunkt abgehakt, entdecken wir, dass da ein Schlauch quer über den Weg gelegt wurde. „Wassseeeerrrr!“ Argh. Wer macht den sowas?! Überlege, ob ich mal mit unserem immer tüchtigen Hausmeister reden muss… Der hat bestimmt auch die Windmühlen in die Blumenkübel geräumt! Ach ja! Da müssen wir ja auch noch pusten! Hieve Ameise Nr. 1 durch die Haustür, renne zurück, um Ameise Nr. 2 vom Balancieren auf dem Steinpodest abzuhalten. Werde von anderen Eltern angelacht. (Die nach mir kommen und vor mir gehen…) Im Haus müssen wir den Parcours bis zum Umkleideraum schaffen. Das Kletteräffchen beschließt, mein Bein als Kletterstange zu benützen. Komme langsam voran. Bin froh, dass wir heute nur die Schuhe wechseln müssen und nicht noch eine große Aus- und Umziehaktion vor mir liegt. Ich muss sie nur noch vom Bücherregal fernhalten, wo hochnotinteressante Puzzlebücher warten (die Puzzleteile werden gerne herausgepuzzelt, reinpuzzeln darf dann wieder in aller Hektik die Mami) und freue mich auch diesen Morgen, dass nicht wieder ein verirrtes Bobbycar auf die teilungsunwilligen Kinder wartet.

Bin leicht erhitzt, als ich die Kinder verabschiede. Nach Frühstücksbeginn. Erzieherin ist aber lieb und freundlich. Ich setze sehr auf ihr Verständnis.

Für andere beginnt der Tag mit dem Weg zur Arbeit…

Mittlerweile sind wir kleine Seemänner, die mit den geraden Landverhältnissen auf stabilem Grund und Boden noch so ihre Anpassungsschwierigkeiten haben. Schwank, schwank, wackel, wackel. Plumps. Ohne Rücksicht auf Hindernisse wird das Heim in aufrechtem Gang und mit kleineren Sitzpausen in Besitz genommen. Erwartungsgemäß in divergierenden Himmelsrichtungen… Dabei entdecken wir immer neue Widrigkeiten und Gefahrenzonen. Und ich muss ganz stark sein – jeden Tag kommt auf meinem Kopf ein graues Haar dazu – sie sind so rasend schnell im Aushecken von gefährlichen Sachen. Es gab schon einige Momente, wo ich versucht war, die Kinder einzupacken und in die Notaufnahme zu fahren. Nach solchen kleineren Unfällen bin ich permanent dabei, das jeweilige Unglücksräbchen unauffällig kritisch zu beäugen. „Guck mich mal an, nein, hierher gucken. Sind Deine Pupillen gleich groß? Sitz doch mal kurz still, die Mami muss dich abtasten. Nein, das ist kein Spiel! Willst du gekrabbelt werden? Ach, und fangen spielen willst du auch?!“ Und auch wenn ich mir sicher bin, dass sie selbstverständlich unglaublich helle Köpfchen sind und wahnsinnig viel verstehen – Hören, wenn Mami nein sagt, gehört definitiv nicht zu ihrem angewandten Können. Sie begreifen das „Nein“ eher als eine Empfehlung, denn als ein Verbot. `Sie sagt nein?! Das könnte interessant sein!´ Und `Gilt das nein, was mein Bruder sich gerade eingefangen hat, auch für mich? Das muss ich doch gleich mal austesten!´ Ich hoffe auf meine Ausdauer…

Der 1. Geburtstag wurde natürlich groß gefeiert!

Der 1. Geburtstag wurde natürlich groß gefeiert!

Nach langen Krankheitswochen schlafen die Kinder ganz langsam wieder länger. Aber noch hat die Mami ihr Schlafdefizit nicht aufgeholt. Der Papi auch noch nicht. Leider kollidieren Schlafdefizit und Erziehungsanspruch bei ihm ganz gewaltig. Ich möchte, dass das Kind nach seiner Milch wieder in sein Bettchen wandert und dort noch 1-2 Stündchen schläft. Eine Nacht um 3 oder 4 Uhr enden zu lassen – und das die nächsten Jahre, ist jedenfalls nicht mein Plan. Papis Plan ist, das Kind ganz schnell zum Schweigen zu bringen, indem es im Elternbett bleibt. Findet Mami doof, weil sie nicht mehr schlafen kann, wenn das kleine Wesen da liegt und erst erzählt, dann schnauft und prustet und dann eine Betätigung für seine Händchen sucht, nachdem ihm ein Dietzi (=Schnuller) am Geräuschemachen hindern soll. Ich weiß ja nicht, wie es anderen geht, aber wenn mir jemand am Kopfkissen herumzupft, geht mir das durch und durch. Zupf, zupf, raschel, raschel, kratz, kratz. Oooh, und Haare hat das Mamitier auch! Zieh, rupf! Argh!!!!! Der Papa findet das lustig – der schläft allen Ernstes wieder ein, obwohl das Kind auf seiner Seite liegt und er sich um es herumdrapieren muss (es macht sich wie alle Kinder extrem breit). Muss ich wohl wieder selbst in die Hand nehmen und die böse Erziehungsmami sein. Fortan vermisst der Papi seinen Schlafkumpan, schläft aber wieder besser und durch. Niemals gäbe er es zu, aber es geht ihm schon viiieeel besser!

Keine Babys mehr?

Ein Blick auf den Kalender: 14.03.2014. Vor einem Jahr lag ich bereits einen Monat lang im Krankenhaus. So lange ist das nun schon her. Und meine damals so sorgenvoll bebrüteten Babys sind heute schon 11 Monate alt. In einem Monat also 1 Jahr. Mir schwimmen die Augen ein wenig. Die Zeit ist so schnell vergangen. Ich kann gar nicht sagen, wohin. Die Oma sagt, dass die kleinen Kerle jetzt keine Babys mehr sind. Das weise ich ganz weit von mir – diese Prinzchen sind doch meine Babys! Beim Spaziergang kommt eine kleine Kindergruppe an uns vorbei. Ein kleines Mädchen schreit begeistert: „Zwei Babys. Schau mal, da sind sogar zwei Babys. Ich habe ZWEI Babys gesehen!!!!“ Ich schaue triumphierend zu meiner Mutter: Siehste, das sind doch noch Babys! Wenn kleine Mädchen das sagen!

Sieben Tage vorm 10monatigen ist unser Großer auf einmal krank. Bricht alles aus, was wir ihm einflößen, ist apathisch und noch kuscheliger als sonst. Wir düsen – es ist Samstagmorgen – zum Bereitschaftsarzt. Das Wartezimmer ist bereits brechend voll – meine Angst vor Keimen, die meine Babys anfallen können, groß. Die Ärztin ist sich nicht sicher, was er haben könnte, sie tippt auf den gerade grassierenden Magen-Darm-Keim. Wir bekommen ein Mittel, das sofort Linderung schaffen sollte. Für den Fall, dass diese nicht eintreten sollte, empfiehlt sie einen Besuch bei der Notaufnahme. Und dort sitzen wir Samstagnachmittag dann auch. Wir warten Ewigkeiten und fangen uns bei der Masse der kranken Kinder bestimmt ein paar Viren ein. Der Arzt hier stellt nun ganz sicher die Diagnose Magen-Darm-Infekt, auch wenn ich darauf hinweise, dass der kleine Kerl nach wie vor nur bricht, aber keinen Durchfall hat. Uns wird aber nur gesagt, dass das manchmal so sein kann und auf jeden Fall unser Kleiner den Infekt auch bekommt.
Den ganzen Sonntag über flößen wir Flüssigkeiten ein. Das Kind schläft oder bricht oder brüllt vor Schmerzen. Als er am Abend Blut bricht, fährt sein Papa mit ihm in die Notaufnahme. Er bekommt ein Mittel gegen Brechen. Und tatsächlich hört das Brechen auf. Aber wirklich besser geht’s ihm nicht, finde ich. Nach wie vor hat er keinen Stuhl. Der Montag bringt keine Besserung. Als am Mittag endlich Stuhl da ist, ist dieser ein einziger himbeerfarbener Bluthaufen. Alarm! Ich rufe bei der Kinderärztin an und schildere ihr unseren Fall. Ich möchte, dass sich jemand diesen Stuhl ansieht und etwas für mein Kind tut! Wir sollen unbedingt kommen und sie wird sich das anschauen. Als wir ankommen, ist nur die andere Ärztin da und will schon anfangen, mir wieder etwas von „Viel trinken“ zu erzählen. Mir reicht es. Ich will, dass jetzt genau auf den Darm geschaut wird. Nicht nur dieses ewige Abtasten und Abhören. Reingucken! Ultraschall! Die andere Ärztin kommt endlich und bestätigt meinen Wunsch. Einweisung ins Krankenhaus. Wir fahren nach Rüdersdorf, weil die in der Notaufnahme in Buch uns nicht richtig behandelt haben. Doch dort heißt es ganz schnell: Ab nach Buch und sofort OP! Mit knapp 10 Monaten kommt mein Sohn zu seinem ersten Helikopterflug. Ich bin permanent am Heulen. Nicht schon wieder eine OP. Bitte nicht auch dieses Kind so schwer krank. Ganz heimlich fragt man sich, ob das Schicksal sich rächen will, weil man ihm diese zwei Kinder abgetrotzt hat. Aber das weisen wir ganz schnell von uns.
In Buch gibt es zum Glück noch eine andere Behandlungsart, die vor einer großen OP angewandt wird. Eine Spülung. Diesen weitaus kleineren Eingriff kann man bis zu drei Mal machen, danach müsste auf jeden Fall operiert werden. Der Darmverschluss unseres Kindes heißt in Fachchinesisch: Invagination. Er kann leider wiederholt bis zum 5. Lebensjahr auftreten, wenn feste Nahrung, ein unreifer und noch nicht im Oberbauch befestigter Dickdarm, ein unruhiger Dünndarm und ein Infekt (und damit vergrößerte Lymphdrüsen) zusammentreffen. Letztlich hat das Verfahren bei unserem Sohnemann Erfolg und er und ich werden stationär aufgenommen. Fortan wird er auf der Station „Felix“ oder „die gut gegangene Invagination“ genannt. (Unsere Kinderärztin berichtete später, dass so etwas häufig auch anders ausgeht. Sie wollte die Ärzte in Buch noch einmal nachträglich sensibilisieren.) Sein kleiner Zwillingsbruder landet bei seinen ihn über die Maßen verwöhnenden Großeltern. Nichtsdestotrotz ist diese Woche für alle Beteiligten hart. Die Jungs vermissen sich gegenseitig. Beide wurden in kürzester Zeit aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen. Beim Großen führt das zu starken Verlustängsten – seine Mama darf sich ja nicht aus seinem Blickfeld bewegen. Außerdem bekommen beide Kinder einen starken und schlimmen Infekt, der mit Antibiotikum behandelt wird. Nach drei schlaflosen Nächten hintereinander, die das Stimmorgan meines Sohnes sowie meine Nerven stark in Anspruch nehmen, bestehe ich auf Entlassung. Wir brauchen wieder Normalität. Diese tritt aber auch die folgenden vier Wochen nicht ein. Eine Krankheit folgt der nächsten. Am Ende ist dann auch die Mami dran – und zum Glück haben wir noch gesunde Großeltern.

Das Töpfchenthema ist eine Streitfrage, die ich hier gar nicht weiter zur Debatte stellen möchte. Ich habe die Auffassung, dass Babys, sobald sie sitzen können, wenigstens schon mal Bekanntschaft mit dem Töpfchen schließen könnten. Ohne Zwang. Nur, wenn sie gesund sind und es gerade stressfrei zugeht. Und mit ganz viel Loben, wenn ich darin etwas finde („juchhu…:o|“). Man muss natürlich Geduld aufbringen… erst Recht bei zweien. Ich frage mich, wie früher eine ganze Horde an Babys auf dem Töpfchen gehalten wurde. Ich weiß, dass das nicht mit Strafen ablief – jedenfalls nicht in meiner Krippe. Meine Jungs sind äußerst erfinderisch, wenn es darum geht, wie man am schlauesten vom Töpfchen absteigt. Möglichst, wenn Mami gerade mit dem Brüderchen beschäftigt ist. Der Kleine z.B. hat wenig Ambitionen, stuuuundenlang (wir machen max. 10 Minuten) sitzen zu bleiben. Schnell presst er sich etwas heraus und steigt justamente dann ab, wenn Mami gerade den Großen überschwänglich lobt und dann windeln will. Ideale Gelegenheit, um die Küche zu inspizieren. Aha! Tolles offenes Eckfach! Kann man prima Höhle spielen und rein klettern!
Aber es geht auch andersherum: Der Winzling hat gerade schnell, schnell das Töpfchen gefüllt, um ja nicht unnötige Zappelzeit zu vergeuden, wird von Mami fertig gemacht und dann im 3x4m großen Ställchen zum Spielen abgesetzt. Mami kehrt gerade rechtzeitig zurück, um den Großen vom Stiftengehen abzuhalten. Gemeinsam sitzen wir nun und warten, dass die Zeit vergeht. Dem Großen ist heute partout nicht nach stupidem Töpfchensitzen. Mami gibt auf und der Knabe nutzt ihren weichen Moment, um sich schnurstracks Richtung Hochstühlchen zu bewegen (wir ziehen uns grad überall dran hoch). Kurz davor setzt er sich plötzlich auf seinen Pöker und strahlt mich frech übers ganze Gesicht an. Das Mamiherz fließt über und ich strahle voller Liebe zurück… und merke im gleichen Augenblick, dass sich unter dem Knirps eine Pfütze bildet. Erziehungstechnisch versage ich in dem Moment total, als ich lauthals loslache.

Beim Kinderarzt erwähne ich, dass mein Großer (noch immer?) nicht auf seinen Namen hört. Angeblich können Babys das ab vier Monaten. In den verschiedenen Internetforen lese ich, wie toll und herzerwärmend das sei, wenn der Nachwuchs in irgendeiner Form reagiere. Ich dagegen werde ignoriert. Ich gurre, zwitschere, flüstere, schreie, spreche, flöte seinen Namen. Ich werde ignoriert. Der Fussel am Kissen ist gerade hochinteressant. Zeitweise schiebe ich Panik, dass das Kind taub ist, weil es nicht mal auf Klingeln oder Klappern reagiert. Diese Theorie konnte ich aber bereits im Eigenversuch widerlegen.
Auch die Ärztin probiert den normalen Hörtest. Das Baby auf meinem Arm reagiert – halbherzig. Aber immerhin. Dennoch ernten wir einen kritischen Blick. Dann wagt die Ärztin einen Vorstoß: Es gäbe ja Eltern, die ihre Kinder immer mit irgendwelchen Kosenamen riefen. Selbstverständlich wüssten diese Kinder dann nicht, was von den vielen Worten denn ihr Name sei. Hups! Ich fühle mich augenblicklich ertappt. Das knuffige, süße, kleine Hasipupsi kann ja gar nicht wissen, was sein Name ist! Wir bekommen eine Hausaufgabe: Fortan dürfen wir zuhause nur noch seinen Namen sagen, keine Kosenamen. Verdammich! Das stellte sich als eine äußerst schwierige Herausforderung dar: „Hallo, mein Süßer…äh L…!“ „Mein kleiner Sch.., mh, L…. Bist Du der L…? Der L… bist Du?“ Naja. Übung macht den Meister. Es ist auf jeden Fall schon besser geworden. Besonders beim Essen hat man ja beide gegenüber zu sitzen und muss dann schon das jeweilige Baby mit seinem Namen ansprechen: „Mund auf!“
Dennoch: Der Erfolg könnte nach so viel Training durchaus größer sein. Ich hege die Vermutung, dass wir es in Wirklichkeit mit einem ausgewachsen eigensinnigen Baby zu tun haben, das ständig auf Entdeckertour ist und dann wirklich nun grad keine Zeit für Mami hat. Jetzt mal ehrlich: Dieses Töpfchen hier, das macht so ein lustiges Geräusch, wenn man es in den Mund nimmt und dann „böbüböbüpffffffff“ sagt.